26.03.2010

Die Bürgerinitative auf dem Weg zur Kreistagssitzung in Horgenzell. Weitere Bilder in der Bildergalerie

Die Bürgerinitative auf dem Weg zur Kreistagssitzung in Horgenzell. Weitere Bilder in der Bildergalerie

Stellungnahme der UoL zur aktuellen Krankenhausdiskussion

Sehr geehrte Fr. Dr. Harrison, sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen.

Ich wende mich heute Abend mit meiner Stellungnahme als Vertreter der UOL und als Mitglied der Leutkircher Bürgerinitiative „Pro Krankenhaus“ an Sie.

Ich möchte nicht nochmals all die vielen Fragen, die bereits gestellte wurden aber noch nicht ausreichend oder gar nicht beantwortet sind wiederholen. Hier hoffe ich, dass dies entweder noch schriftlich geschieht oder in einem der nächsten Gespräche geklärt werden kann.

Lassen Sie mich mit einem – aus meiner Sicht für die Entscheidung der Kreisräte – wesentlichen Punkt beginnen.

Seit Mittwoch dieser Woche liegt mir dieses 91-seitige Papier zur Zukunftsentwicklung der OSK vor. Fünf unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Zahlenspielen werden vorgestellt. Für den Laien nur sehr schwer zu durchschauenden und teilweise verwirrenden Zahlen werfen für mich eine zentrale Frage auf.
Eine Frage, die die gesamte Argumentation der auf der einen Seite positiv wirtschaftenden Häuser und auf der anderen Seite negativ wirtschaftenden Häuser doch sehr in Frage stellt:

Laut meines Wissens haben wir es beim OSK - und IKP - Modell mit zwei unterschiedlichen Gesellschaften zu tun. Beide gehören zum Landkreis. 
Die OSK als Betreibergesellschaft und die IKP als Immobiliengesellschaft.
Die IKP stellt als Vermieter der OSK die Immobilie gegen Mietzahlung zu Verfügung. Dies klinkt logisch.
Als ich aber am Donnerstag in der Kreistagssitzung gehört habe, dass die IKP nicht nur die Immobilien überlässt, sonder auch noch in vielen weitere Bereiche als Investor auftritt, war ich doch sehr verwundert.  Hier wurde davon gesprochen, dass die IKP Inventar vom Kochlöffel bis zum Pflegebett besorgt und dann, so konnte ich nur vermuten – an die OSK vermietet. 

Also auch hier schon eine sehr undurchsichtige, fast schon wirre Verflechtung.

Das ganze wird meines Erachtens erst durch die Tatsache richtig spannend, dass der Geschäftsführer der IKP gleichzeitig auch neuer Kreiskämmerer ist. Folglich also sein eigenes Aufsichtorgan darstellt.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle nur diese eine Frage: „Wie verlässlich sind diese Zahlen, aufgrund derer die Kreisräte am 11. Mai weit reichende Entscheidungen in unserer Krankenhauslandschaft treffen müssen?“  

Nun aber zum Leutkircher Krankenhaus.

Lassen Sie mich mit einem kurzen Auszug aus der Presseerklärung des Landkreises vom 02. Juni 2005 beginnen:

„Klares Bekenntnis zu allen Standorten … … An den bisherigen Strukturen mit dem EK als Krankenhaus der Zentralversorgung, der Regelversorgung in Wangen und den Häusern in Bad Waldsee, Leutkirch und Isny als Einrichtungen der Grundversorgung wird nichts geändert, medizinische Leistungen werden an den einzelnen Standorten konzentriert, Doppelstrukturen abgebaut, die Qualität der medizinischen Versorgung erhöht und damit langfristige Einspareffekte erzielt. Die Notarztstandorte an jedem Krankenhaus bleiben bestehen und die Versorgung von Notfällen ist an jedem Krankenhaus gewährleistet."

Dies wurde, wie Sie alle hier im Saale wissen, zum 01. Oktober 2005 für die Region Allgäu umgesetzt.
 
Für das Leutkircher Krankenhaus bedeutete dies,
 
„dass dieses Haus ein Haus der Grundverssorgung bleibt und – ein sehr wichtiger Satz – vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung zu erwarten ist, dass internistische Krankheitsbilder in der Zukunft deutlich zunehmen werden. Folgerichtig soll sich das Leutkircher KH deshalb im Verbund der OSK-Allgäu nicht nur zu einem Ambulanten Operationszentrum Allgäu entwickeln, sondern auch ein Schwerpunkt der stationären inneren Medizin werden. Durch dieses AOZ wird auch sichergestellt, dass entsprechend qualifiziertes Personal auch für chirurgische Notfälle bereit steht."

Dies waren die wegweisenden Strategien der OSK im Jahr 2005. Soll dies nun nach fünf Jahren schon wieder Makulatur sein??

(Auch damals wurde bereits darauf hingewiesen, dass eine im Leistungsumfang eingeschränkte stationäre Abteilung der Inneren Medizin bei einem gleichzeitigen Verzicht auf eine stationäre Chirurgie auf lange Sicht gesehen keine hohen Belegungszahlen sicherstellen wird.
Genau das  müssen wir aber jetzt aus dem neuen Eckpunktepapier - welches uns heute vorliegt - zur Zukunftsentwicklung der OSK lesen, soll nun ein Schließungsgrund sein. War dies schon Teil der Strategie?)
Wo stehen wir heute?
•    Leutkirch ist im Vergleich zu allen anderen Häuser der OSK-Gruppe das einigste Haus, dessen bauliche Sanierung komplett abgeschlossen ist. Dies bedeutet in der Folge, dass eine weitere Nutzung überhaupt keine weiteren - baulichen - Investitionen benötigen würden.
•    Leutkirch besitzt ein sehr gut funktionierendes und finanziell auch für die OSK rentables AOZ. Dr. Gitter hat in den letzten drei Jahren ca. 1.800 Operationen in Leutkirch durchgeführt (Nettoeinnahmen von ca. 1,5 Mio € für die OSK- wo erscheine diese Zahlen in dem uns vorliegenden Papier?).
•    Leutkirch verfügt über einen hervorragenden OP – weitere Ärzte würden diesen gerne nutzen.
•    Leutkirch verfügt über ausreichend Platz für 2 Hauptabteilungen der Chirurgie und der Inneren Medizin. Kann ohne großen Aufwand sofort bezogen werden.
•    Leutkirch bietet hervorragende Möglichkeiten zu weiteren Spezialisierungen, sowohl im AOZ, in der kurzzeitchirurgischen Neurochirurgie als auch in der Endoprothetik.

•    Leutkirch hat bereits mehrere Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen im Haus, die auch für eine weitere Auslastung des AOZ sorgen können.

•    Leutkirch hat erst vor kurzem eine Zweigstelle der Onkologischen Praxis Ravensburg erhalten.
•    Leutkirch hat (auch Dank der niedergelassenen Ärzte) ein voll funktionierendes Notarztsystem.
•    Leutkirch hat  - wie zuletzt auch von Ihnen ganz ausdrücklich hervorgehoben, sehr geehrte Frau Harrison – eine hoch qualifizierte und engagierte Mitarbeiterschaft.

•    Leutkirch hat einen frisch erweiterten Parkplatzbereich.
•    Leutkirch verfügt über eine wunderschöne Lage und eine tolle Außenanlage, die mit wenigen Mitteln wunderschön gestaltet werden könnte und somit den Aufenthalt sowie die Genesung der Patienten positiv beeinflussen könnte.



Und nicht zuletzt:

•    Leutkirch liegt direkt an der Autobahn.

Sehr geehrte Frau Dr. Harrison, sehr geehrter Herr Landrat, Sie sehen, Leutkirch hat hervorragenden Vorraussetzungen - geben Sie - gemeinsam mit dem Kreisrat -  Leutkirch eine Chance. Eine Chance die zeigen soll, dass mit dem Modell Leutkirch, unterstützt durch eine konsequent durchgeführten Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung der BI und der Stadtverwaltung eine positive Wirtschaftlichkeit erzielt werden kann.
Sehr geehrter Herr Landrat. Stehen Sie weiterhin zu den kleinen, dezentralen Krankenhäuser der Grundversorgung mit einer kontinuierlichen Vernetzung von ambulant und stationär. Bleiben Sie visionär.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

Bernhard Hösch
Unabhängige offene Liste, 
Bernhard Hösch, Schillerstr. 18, 88299 Leutkirch