06.05.2014

v.l.n.r.: Margarete Stadtmüller-Harr, Sibel Uzunka, Elke Rehwald, Sibylle Messmer, Nina Corsepius, Claudia Maier, Daniela Schulte

v.l.n.r.: Margarete Stadtmüller-Harr, Sibel Uzunka, Elke Rehwald, Sibylle Messmer, Nina Corsepius, Claudia Maier, Daniela Schulte

„Frauen trauen sich zu wenig zu”

„Die Unabhängigen” - Kandidatinnen für die Kommunalwahl wollen wachrütteln: Weibliche Sichtweise im Gemeinderat einbringen

Frauen sind in der Politik immer noch zu wenig vertreten. Vielen fehlt der Mut, sich um ein politisches Amt zu bewerben, und die, die es tun, werden selten genug gewählt. Es sind Feststellungen wie diese, die eine Gruppe von Frauen aus Leutkirch und Umgebung veranlasst haben, mit gutem Beispiel voranzu-gehen: Sie kandidieren für die Kommunalwahl am 25. Mai, und sie wollen weitere Frauen bewegen, sich ebenfalls politisch zu engagieren.

„Drei Frauen unter 35 Leutkircher Gemeinderatsmitgliedern – das kann doch nicht sein!“, sind sich Sibylle Messmer, Nina Corsepius, Margarete Stadtmüller-Harr, Claudia Maier und Sibel Uzunka einig. Mit Blick auf den Geschlechteranteil in der Bevölkerung lege das den Schluss nahe: Frauen wählen zu wenige Frauen. Es bedeute aber auch: „Frauen trauen sich zu wenig zu.“ Und: „Gerade in ländlichen Regionen sind Frauen noch sehr stark traditionellen Rollenmustern verpflichtet.“ Dass sie zudem eine Vielzahl von Aufgaben in Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen, mache die Entscheidung für ein politisches Engagement nicht leichter.

Die fünf Frauen, die allesamt für die Unabhängigen ins Rennen gehen, verbindet die erklärte Absicht: „Wir wollen uns aktiv einbringen.“ Im Wegfall der unechten Teilortswahl sehen sie die Chance, dass sich „die Gewichte verlagern“ und Frauen im künftig kleineren Leutkircher Gemeinderat stärker vertreten sind. „Frauen sollten sich nicht nur auf Kinder und Familie reduzieren lassen“, sagt Sibylle Messmer. „Sie sind heute allesamt gut ausgebildet und haben ein großes Fachwissen in vielen Bereichen.“ Bedauerlich, dass dieses Wissen zwar in den verschiedensten anderen Ehrenämtern eingebracht wird, aber selten der Kommunalpolitik.

Ob Schule, Verein oder soziales Engagement: „Das Leben in Leutkirch wird ganz stark von Frauen geprägt.“ Allerdings werde das viel zu wenig wahrgenommen, finden die fünf Frauen. Fazit: „Wir verkaufen uns unter Wert.“ Deshalb sollten die Frauen wachgerüttelt werden, sich für ihre Interessen zu engagieren, ergänzt Nina Corsepius. Ziel müsse ein „gesunder Mix von Geschlecht und Alter“ im Gemeinderat sein. Margarete Stadtmüller-Harr, Claudia Maier und Sibel Uzunka wiederum sprechen von einem anderen Blick, den Frauen auf die Dinge hätten. Ob Pflaster in der Innenstadt oder Abschaltung der Straßenbeleuchtung während der Nachtstunden, ob Kindergartenplätze oder Schülerbetreuung: Frauen hätten so manche Entscheidung anders getroffen, sind sich die Fünf sicher.

Deshalb: „Wir sollten viel mehr quer denken und unsere Interessen selbst vertreten“, sagen die Fünf und fordern die Leutkircherinnen auf: „Traut Euch!“

Quelle: Schwäbische Zeitung, 06.05.2014