13.01.2015

Leutkircher-Bürgerpreis-Trägerin Hildegard Kappler mit den aktuellen Gemeinderäte "Die Unabhängigen":
v.l.n.r.: Michael Waizenegger, Claudia Maier, Bernd Schosser, Hildegard Kappler, Elke Rehwald, Jörg Kuon, Günther Falter

Leutkircher-Bürgerpreis-Trägerin Hildegard Kappler mit den aktuellen Gemeinderäte „Die Unabhängigen”: v.l.n.r.: Michael Waizenegger, Claudia Maier, Bernd Schosser, Hildegard Kappler, Elke Rehwald, Jörg Kuon, Günther Falter

Hildegard Kappler erhält Leutkircher Bürgerpreis 2015

Mit Hildegard Kappler wurde eine Ur-Leutkircherin ausgezeichnet, die sich zeitlebens in ganz verschiedenen Bereichen ihn ihrer Heimatstadt engagiert hat. Sie hat dabei nicht gescheut, auch unangenehme Dinge anzusprechen und unkonventionelle Gedanken laut auszusprechen auch gegen den Widerstand des einen oder anderen. Der Mut im Bereich der Friedensbewegung und der Beistand, den sie jungen Männern während ihres Kriegsdienstverweigerungsverfahrens gegeben hat, verdient unseren größten Respekt. Herzlichen Glückwunsch zum Leutkircher Bürgerpreis!

Laudatio von Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle:

Bürgerpreis 2015 - Informationen zur Preisträgerin 2015

Hildegard Kappler  - Geboren am 23.06.1948 in Leutkirch im Allgäu (66 Jahre alt)

Ehrenamtliche und Politische Aktivitäten und Ämter

Gemeinderätin           
1984 – 2009 (25 Jahre)                     
2004 ausgezeichnet mit Ehrennadel des Städtetags in Silber

Ende der 60er bis Mitte 70er Kath. Jugendbewegung KJG bzw. BDKJ

In dieser Zeit Gründungsmitglied  des Arbeitskreis Dritte Welt – daraus entstand der heutige Weltladen. Ab Mitte der 70er Friedensarbeit - Gründung des Arbeitskreis Friedenswoche Leutkirch (1975), eine Gruppierung von etwa 10-15 Personen. Mit dabei war z.B. auch Inge Aicher-Scholl (Schwester von Sophie Scholl).

Bis Mitte der 80er Organisation der “Friedenswoche Leutkirch“ bei Schloss Zeil, eine 2-3 tägige Veranstaltung mit Kulturprogramm, Workshops, Diskussion, Vorträgen etc. (eine Art Festival). Die Gruppe hat sich viel auch in Rotis im Hause Aicher getroffen


„Rüstungssteuer-Umwidmung“

Die Gruppe um Hildegard Kappler hat einen amtlich anmutenden Antrag auf „Rüstungssteuer-Umwidmung“ entwickelt, welcher beim Finanzamt „eingereicht“ werden kann. Bundesweit wurde das Formular etwas 200.000 Mal verteilt und hat bundesweit für große Aufmerksamkeit gesorgt.

Es gab dazu sogar einen Tagesschaubericht und mehrere Artikel in der ZEIT und im Spiegel erschienenen über diese außergewöhnlichen Aktionen. Frau Kappler hat dann auch geklagt und das bis vors Finanzgericht Baden-Württemberg. Den Beteiligten war klar, dass die Aktion nicht legal war und es auch wohl keinen Erfolg haben wird – das Ganze war als Protestaktion geplant


Beratung von Kriegsdienstverweigerern
Hildegard Kappler galt als erste Anlaufstelle in Leutkirch für Kriegsdienstverweigerer.  Sie wurde von der kath. Kirche als eine von zwei sog. „Beiständen“ ernannt und begleiteten viele Verweigerer zum „Prüfungsausschuss“ und berieten sehr, sehr viele junge Männer. Die Buchhandlung war hierbei eine der ersten Anlaufstellen.

Fr. Kappler war dabei enorm engagiert und auch sehr bekannt in Leutkirch und Umgebung.


Katholische Kirchengemeinderätin
Frau Kappler war von 1971 – 1981 für 2 Perioden Mitglied des kath. Kirchengemeinderats.


Aktivitäten im Partnerschaftsverein

Frau Kappler war und ist lange Jahre aktiv im Partnerschaftsverein.


Vorstand VHS

Frau Kappler war von Anfang an bei unserer VHS im Vorstand mit dabei und setzte sich jahrzehntelang für die Leutkircher VHS und davor für das das Volksbildungswerk e.V. ein – Sie hat die VHS maßgeblich mitgeprägt.

Frau Kappler galt manch Konservativen Leutkircher  als „rebellische Wortführerin“ und war durchaus bekannt in Leutkirch und der ganzen Umgebung


Beruflicher Werdegang / Kulturelle Aktivitäten

Buchhandlung, Buchbinderei und Schreibwaren Hermann Kappler (ihr Vater) wurde 1945 in der Marktstraße eröffnet.

1963 - Ausbildung in der elterlichen Buchhandlung zur Einzelhandelskauffrau, danach 2 Jahre in Stuttgart „Buchhandelslehre“. Ihr Wunsch war es Bücher zu verkaufen und Autoren für Lesungen nach Leutkirch zu holen.

Ab 1969 hat sie die ersten Buchausstellungen im katholischen Gemeindesaal und dann in der Festhalle organisiert. 1980 hat sie die erste Buchwoche in der Festhalle auf die Beine gestellt und diese Institution 33 Jahre lang mit „riesigem Kraftaufwand“ organisiert.

Bei den Lesungen waren zunächst lokale Autoren, wie Emil Vogler oder Winfried Leiprecht, dann auch überregional bekannte Namen, wie Ota Filip, Elke Heidenreich oder Gerhard Konzelmann – worauf sie sehr stolz ist. „Klüpfel-Kobr“ (Kommissar Kluftinger) haben eine ihrer ersten Lesungen bei ihr gehalten.

Ende 2014 hat sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Geschäft an ihre Mitarbeiterin Daniela Schule abgeben. Das Geschäft wird dann auch zurück an den ehemaligen Standort in der Marktstraße 35 ziehen.

Ich freue mich sehr, dass unser Gemeinderat einstimmig beschlossen hat, dass der Bürgerpreis 2015 an Frau Hildegard Kappler vergeben wird. Ich gratuliere recht herzlich dazu, danke Ihnen für Ihre großartigen Leistungen für unzählige soziale und kulturelle Belange in unserer Stadt und wünsche Ihnen alles Gute, vor allem Gesundheit!