01.06.2015

Leut­kir­cher Un­ab­hän­gi­ge kri­ti­sie­ren Land­kreis

Gemeinderatsfraktion wundert sich über Wegfall der 80-Liter-Mülltonne: „Verlässlichkeit sieht anders aus”

Von Steffen Lang 30. Mai 2015

Leutkirch - Die 80-Liter-Restmülltonne wird es nicht mehr geben, wenn der Landkreis ab 2016 die Abfuhr auch in Leutkirch übernimmt. Das geht aus den Anschreiben des Landratsamts hervor, die in diesen Tagen allen Hauseigentümern zugeht. Bei der Stadträten der Unabhängigen regt sich darüber Unmut.

Ab 2016 gibt es dem Schreiben zufolge Restmülltonnen mit 40, 60, 120 und 240 Litern Fassungsvermögen sowie Container mit 1100 Litern Inhalt. Dies entspreche nicht den im Gemeinderat vom Landratsamt vorgestellten Rechenbeispielen, kritisieren die Unabhängigen in einer von ihrem Fraktionsvorsitzenden Bernd Schosser verschickten Pressemitteilung.

Andere Aufgliederung

"Die Rückdelegation der Müllabfuhr an den Landkreis ist beschlossene Sache", schreibt Schosser. "Im Nachhinein wundern sich nicht nur die Bürger der Großen Kreisstadt Leutkirch, sondern auch die Gemeinderäte der Unabhängigen. Als in der Sitzung über die Rückdelegation diskutiert wurde, waren die Mülleimergrößen genau so aufgegliedert, wie sie derzeit in Leutkirch vorhanden sind." Die Rückdelegation an den Landkreis sei unter diesen Voraussetzungen vom Gemeinderat beschlossen worden. Dies war im Mai vergangenen Jahres.

Nun würden, so Schosser, die Unabhängigen wie viele Bürger der Stadt ihren Augen nicht trauen. "Die 80-Liter-Tonne fehlt ganz einfach im Programm. Diese wurde vom Landkreis einfach mal ausgelassen." Wer bisher eine solche Tonne benutzt habe, müsse auf die 120-Liter-Tonne ausweichen oder ein 60-Liter-Gefäß mit viel mehr Leerungen eingesetzt werden. "Die Kosten werden in jedem Fall steigen", stellen die Unabhängigen fest.

"Keinerlei Informationsfluss"

"Es ist zwar das gute Recht der Landkreisverwaltung, in der Art und Weise vorzugehen, aber Verlässlichkeit sieht anders aus", heißt es in der Mitteilung dazu. Einmal mehr funktioniere die Absprachen zwischen Kreis und Kommune nicht. "Einmal mehr wird uns Leutkirchern etwas versprochen, was nicht gehalten werden kann. Einmal mehr ist keinerlei Informationsfluss vorhanden. Leider wurden weder Gemeinderat noch Bürger von den Kreisräten, die in ihrem Ausschuss diese Größen beschlossen hatten, nicht informiert." Schosser schließt mit der bedauernden Feststellung: "Schade, dass die Verantwortlichen aus der Vergangenheit so wenig gelernt haben."

Walter Nitz, Leiter des Abfallwirtschaftsamts des Landkreises Ravensburg, verweist auf Anfrage darauf, dass der Kreistag per Beschluss vom 9. Oktober 2014 die 80-Liter-Tonne abgeschafft habe. Laut Nitz bieten etwa die Hälfte der Kommunen im Kreis dieses Tonnenvolumen an, in Aichstetten etwa gibt es ausschließlich diese Tonne. In Leutkirch beträgt ihr Anteil rund 16 Prozent.

"Ein Drittel ist Bio-Müll"

Nitz sagte zudem, dass alle Haushalte, die derzeit eine 80-Liter-Tonne haben, automatisch den Vorschlag für eine 60-Liter-Tonne bekommen. Denn zugleich werde ja die Bio-Tonne eingeführt. "Wir gehen davon aus, dass ein Drittel des Abfalls Bio-Müll ist und deshalb dann in der anderen Tonne landet", erklärt Nitz. Er rät dabei allen zur Biotonne, selbst wenn sie einen eigenen Kompost haben. "Das lohnt sich für Speisereste, oder gerade auch für den Winter", sagt Nitz.

Demzufolge würde jemand, der bislang eine 80-Liter-Restmülltonne hat, ab 2016 eine 60-Liter-Restmülltonne (mit 14-tägiger Leerung) sowie eine 40-Liter-Biomülltonne brauchen. Die jährlichen Kosten dafür lägen bei 133 Euro. Bisher zahlt der Hauseigentümer 126 Euro.